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Verwaltung

Neubau Schweizer Botschaft, Seoul, Südkorea

Seoul befindet sich in einer Phase intensiven Wachstums, einhergehend mit starker Verdichtung und der Schaffung neuer Subzentren und Verkehrswege. Dieser städtebauliche Wandel betrifft auch das Wohnquartier Seodaemun-gu. Die für Korea typischen niedrigen Häuser verschwinden und machen Platz für ein neues Viertel mit hohen Bauten. In dieser von Wohntürmen dominierten Umgebung wirkt das neue Schweizer Botschaftsgebäude wie eine Oase. Das Projekt ist eine zeitgenössische Interpretation des traditionellen koreanischen Hofhauses, welches mittlerweile nahezu aus dem Stadtzentrum verschwunden ist.

Das diplomatische Gebäude fügt sich in die Topografie ein und steigt spiralförmig von zwei auf drei Etagen an. Beginnend von der zum privaten Garten ausgerichteten Residenz entwickelt sich die Volumetrie über die grosszügigen, zum Hof geöffneten Repräsentationsräume bis zu der Kanzlei mit repräsentativer Eingangsfassade zur Strassenseite hin. Ein umlaufendes Vordach im Hof schützt Nutzende und Gäste vor Blicken und dem Wetter. Sämtliche Räume sind zum Innenhof ausgerichtet. Dieser hat eine bedeutende Rolle: Er verbindet die Menschen miteinander und mit der Natur. Der zur Botschaft gehörende Park mit Kiefern, Ginkgos und Kirschbäumen unterstreicht den respektvollen Umgang mit der Natur.

Der Neubau im Zentrum von Seoul erfüllt die vielfältigen Anforderungen einer Botschaft bezüglich Nutzung und Sicherheit. Das Gebäude umfasst auf 3540 Quadratmetern die Residenz des Botschafters, repräsentative Räume und die Kanzlei. Die gewählten Baumaterialien für den Aussen- und den Innenbereich des Gebäudes unterscheiden sich erheblich: Die Aussenfassade besteht aus Sichtbeton, die Innenhoffassade aus hellem Holz und Glas. Sorgfältig gestaltete Details in der Ausführung sind die Besonderheiten der Botschaft. So wurde zum Beispiel der Beton der Aussenfassade nach koreanischer Handwerkskunst mit Holz geschalt, damit die Holzmaserung der Schalung sichtbar bleibt. Das Fassadentragwerk ist eine an lokale Bauweisen erinnernde vorgesetzte Pfosten-Riegel-Konstruktion, durch deren modulare Aufteilung mit unterschiedlich grossen Öffnungen auf die Anforderungen des Programms geantwortet wird. Die typisch koreanischen Holzlamellen dienen dem Sonnenschutz und schaffen wunderbare Licht- und Schattenspiele.

Mit seinem traditionellen Stil, der Spiralform und dem Garten fügt sich das neue Gebäude bescheiden und respektvoll in seinen Kontext ein und versinnbildlicht Integration und Offenheit, das Heimische und das Fremde sowie den urbanen und den diplomatischen Raum.

Mehr über die Schweizer Botschaft in der Agenda Ausgabe 103

Bauherrschaft
Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Bern

Zeitraum
2012 – 2018

Auftrag
Architektur

Fotografin
Hélène Binet